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RASA, BHAVA, so what?

Am Anfang standen doch so einige Fragezeichen in den Augen der Teilnehmenden: Was ist die Botschaft, die uns aus der hinduistischen Erzähltradition herüberwinkt?

Ich war guten Mutes, als alter Hase im Erzählerdasein etwas Neues zu lernen und einen Workshop auch in englischer Sprache gut meistern zu können. So reiste ich zum RASA-Wochenende nach Leipzig.

Der Seminarraum im Haus Stein bot einen stimmigen, charmanten und perfekten Rahmen für unser Wochenende.  
Auftakt am Freitagabend: Sehr eindrucksvoll performte Kursleiterin Emily Hennesy Geschichten aus der Mythologie der Hindus.
Wir hörten von den Göttern Shiva, Parvati und ihrem Kind, dem elefantenköpfigen Ganesha. Zu erleben war eine perfekte Mischung aus Storytelling, Körperbeherrschung, Tanz.

Das war das eine. In unserem Kopfkino und vor allem in unserem Herzkino ging es währenddessen ziemlich zur Sache, denn Emily versteht sich auf die vielfältigen Ausdrucksebenen beim Erzählen, genannt „RASA“.
Das sind Begriffe wie „Mysterious“ (Geheimnisvoll), Heroic (Heldenhaft), Raging (Aufregend), Comedic (Erheiternd) etc.
Hier handelt es sich um Eigenschaften und Stimmungen aus dem Text.

In den Zuhörern ereignet sich beim Hören das sogenannte BHAVA. Das sind Gefühle, wie Staunen, Verwunderung, Ehrfurcht (zur Ausdrucksebene „Mysterious“). Mut und Stärke („Heroic“), Ärger, Aufregung, Bestürzung, („Raging“) , Lachen, Freude, Fröhlichkeit („Comedy“) usw.

Die Kunst besteht nun darin, sich zu fragen: Welche Ausdrucksebene hat der Text und wie erzähle ich etwas, um beim Zuhörer die entsprechenden Gefühle hervorzurufen?

Das übten wir nun fleißig, indem wir das auf unsere eigenen Texte anwendeten. Puh, da kam ich schon ins Schwitzen. Am Ende lagen eine Menge farbiger Kärtchen für die verschiedenen Stimmungen neben meinem Storyboard …

Und dann kam natürlich die Präsentation des Neugelernten, sieh mal da: Beim Erzählen (auf Englisch) habe ich dann ziemlich viel des gerade so mühsam Geplanten über Bord geworfen und meinen Text aus der griechischen Mythologie mit jeder Menge Comedy und Plauderton gespickt, einfach weil das für mich die sicherere und vertrautere Erzählweise war. Scheitern darf sein! Trotzdem kam die Story gut rüber, aber das ist nun der Aha-Effekt. Das Ganze noch zu üben, üben, üben und mir die Scheibe davon abschneiden, die genau die richtige für mein Erzählen ist.

Andere Teilnehmende hatten ihre ganz eigenen, teils sehr beeindruckenden Erfahrungen und Präsentationen mit diesem Shift von RASA zu BHAVA. Es hing sicher auch stark davon ab, wie heimisch man sich in der englischen Sprache fühlt.  
Nun bin ich eingetaucht in eine für mich ganz neue Erzähltradition, in eine bestimmte Art des Erzählens, die sich nicht einfach erstmal intuitiv erfassen lernt, jedenfalls nicht von mir, dem RASA-Greenhorn.

Emily Hennesy jedenfalls hat nun einen Fan mehr. Ich mag ihr Erzählen, ihre Performance, und die Art, wie sie diesen spannenden Workshop geleitet hat. Also schaue ich mal, ob es irgendwann einen RASA-Teil 2 für Fortgeschrittene gibt, und gebe mir auch Zeit, das Neue ins Alte zu integrieren und damit erste Erfahrungen zu sammeln.

Und wenn Carola Bambas das wieder so gut organisiert und uns wieder so prima umsorgt, dann nehme ich nochmal so gerne wieder an so einem Workshop teil.  Again what learned!

Mit märchenhaften Grüßen
Matthias Fischer

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