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Knarren eines geknickten Astes (Hermann Hesse)

Splittrig geknickter Ast,
Hangend schon Jahr um Jahr,
Trocken knarrt er im Wind sein Lied,
Ohne Laub, ohne Rinde,
Kahl, fahl, zu langen Lebens,
Zu langen Sterbens müd.
Hart klingt und zäh sein Gesang,
Klingt trotzig, klingt heimlich bang
Noch einen Sommer,
Noch einen Winter lang.
 
Dies ist das letzte von Hesse verfasste Gedicht. Er hat es bis unmittelbar
vor seinem Tod am 9. August 1962 noch mehrfach überarbeitet.

Heute vor sechzig Jahren verabschiedete sich ein großer Literat von dieser Welt, er ging in der Nacht und bleibt doch bis heute in unseren Köpfen lebendig. Zeitlos sind seine Worte, mitnehmend und sinngebend.

Wir alle erinnern uns an seine Texte, die uns, in ihrer Vielschichtigkeit, als Lernende das ein oder andere mal verzweifeln ließen. Die uns in Gefühlswelten mitnahmen, welche unsere zu sein schienen. Texte, die in unseren Köpfen Verwirrung stifteten und uns so nah waren, als hätte Hesse uns, also wirklich Dich und mich, gekannt.

Sein Leben war von Zerrissenheit geprägt. Er passte nicht in seine Zeit, war ein Denker, Dichter, Gedankenwanderer, seiner Zeit voraus. Oft unverstanden und rebellisch.
Schon früh zeigte sich, dass Hermann es nicht leicht haben würde.

So schrieb seine Mutter am 2. August 1881 in einem Brief an seinen Vater Johannes Hesse:
„[…] der Bursche hat ein Leben, eine Riesenstärke, einen mächtigen Willen und wirklich auch eine Art ganz erstaunlichen Verstands für seine vier Jahre. Wo will’s hinaus? Es zehrt mir ordentlich am Leben dieses innere Kämpfen gege4 Kopie.pngn seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches Stürmen und Drängen […]
Gott muß diesen stolzen Sinn in Arbeit nehmen, dann wird etwas Edles und Prächtiges draus, aber ich schaudere bei dem Gedanken, was bei falscher oder schwacher Erziehung aus diesem jungen passionierten Menschen werden könnte.“[12] (Quelle Wikipedia)

Er passte nicht, nicht in die Familie, nicht in die Schule, nicht in die Gesellschaft seiner Zeit.
Er ließ sich nichts sagen, folgte sich selber und versuchte bis an sein Lebensende SEINEN Platz zu finden. Seine Eltern warfen ihm „Eigensinn“ vor und belegten dieses Wort negativ. Hesse aber wandelte das Wort im Laufe seines Lebens für sich ins positive. Hesse war Freigeist, Realist und beschönigte nichts. Er schrieb ohne Distanz mit Allgemeingültigkeit und war immer auf der Wanderung, auf dem Weg zu sich selbst! Loslassend um bei sich anzukommen, sah er es als die Aufgabe eines jeden Menschen den Eigen(en)-Sinn zu finden.
Schon als Jugendlicher wollte er Dichter werden und sonst eben gar nichts! Hesse beklagte, dass er diesen Beruf nirgends lernen könne und studierte für sich wurde Autodidakt, las Unmengen Büchern und tauschte sich aus.
Heute schaut die Welt voller Bewunderung auf diesen großartigen Literaten und Literatur Nobelpreisträger.
Für ihn galt, obwohl er sehr menschenscheu war, immer der Mensch als das Wichtigste, egal woher, egal welche politische oder religiöse Auffassung. Im dritten Reich setzte er sich für in Not geratene ein und meinte einmal, dass er sich immer zwischen Heldentum und Opfer bewegen würde.
Hesse hatte es schwer Wurzeln zu bilden, er riss die Wurzeln immer aus, wenn sie tiefer gingen. Er konnte nicht sesshaft werden, fühlte sich nur bei sich selbst etwas zu Hause. Flüchte aus der Idylle, um sie dann aus der Ferne zu vermissen. Der Tod war sein Gefährte, er schwankte oft zwischen Todessehnsucht und Leben, aber erst als sein Vater starb, begriff er den Tod in seiner Wirklichkeit und Größe. Er nannte das Leiden im Leben, als Schlüssel zum Erfolg, er war unbeugsam und das bis zu seinem eigenen Tod.

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