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Heute gratulieren wir Karl Valentin, deutscher Komiker, Schriftsteller und Sänger, denn am 04.06.2022 wäre er 140 Jahre alt geworden.

Lassen wir doch einmal unserer Fantasie freien Lauf und stellen uns folgende Szene vor:

Berlin der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Eine der vielen Bierstuben, es ist später Nachmittag.

Karl Valentin sitzt an einem der hinteren Tische, als zwei Herren, die sich wohl vor der Türe getroffen haben zu ihm an den Tisch geführt werden.
Valentin steht auf, verbeugt sich clownesk und wirft dabei den Stuhl um, auf dem er gesessen hat.
Er flucht, „Kruzifix nochemal, ich saublöder Hund, saublöder“.
Keiner der beiden gerade gekommenen Herren lacht, nur alle Gäste halten sich die Bäuche.
Charlie Chaplin, einer der Herren schaut nur, rollt die Augen und lässt den Gehstock hin und her tanzen. Der andere, ein noch recht junger Mann, Buster Keaton, fasst sich lautlos kurz an den Hut……….

Ob die drei sich sprachlich verstanden hätten, wer weiß?

Aber mit Sicherheit hätten die drei sich über ihre Körpersprache verständigt, wer hätte da nicht gerne zugeschaut? Immer tiefer hätten sie sich, wie in einem Strudel ins menschliche Sein hinein begeben, hätten überzogen, wie Karikaturen auf unbeflecktem weißen Papier skizziert, schnell, unaufgeregt aufregend. Geendet hätte alles bewußt im Chaos. Im Chaos des Menschlichen.

Schade, dass Valentin solche Probleme mit dem Reisen hatte, dass er eine Einladung Charlie Chaplins ablehnte, so heißt es und über Buster Keaton findet sich diesbezüglich nichts.
Und wenn sie sich getroffen hätten, so hätte es Karl Valentin nicht behagt mit solchen Berühmtheiten an einem Tisch zu sitzen.

Der Mensch Karl Valentin, mit einem scharfen V gesprochen, so wie bei Vater aber nicht bei Villa, da ist es ja weich. Aber das ist ja auch etwas anderes.
So war er. Direkt und aufs Wort genau. Ein hagerer, rothaariger Mann mit markanten Augen, der, ob er es wollte oder nicht, komisch war. Verstanden hat er seine eigene Komik wohl nicht immer, aber er wusste die Worte bis aufs Letzte zu drehen und alles für „bare Münze“ zu nehmen. Dieses Überzogene, dieses Bizarre war sein Stilmittel, war ER selbst, ein Improvisationskunstwerk auf den Punkt. Denn wenn Worte zur Erklärung nicht mehr reichten, nutzte er seinen Körper um seine Gedanken bis auf die Spitze zu treiben, dass es „stacht“. Er stellte sich die/den grundlegenden Fragen des Lebens und der Gesellschaft.

Schon als Kind war Valentin ein Sonderling vor dem und dessen bösen Streichen die anderen Kinder laufen gingen und der von den Lehrern nicht nur mit Worten gemaßregelt wurde.

Seine Eltern verstanden die Denkart, ja die DENKKUNST/WORTKUNST nicht. Fragil und sehr intelligent, war er, hatte eine bitterböse Komik, die so überzogen das schwere Leben der Zeit für die Münchner Bürger erträglicher machte, da diese befreit über sich und das Leben lachten.

Aber in München, seiner Stadt, dauerte es lange, bis man sein Potential erkannte. Längst wurde er in Berlin und Frankfurt gefeiert, als man vor ihm in München den Hut zog.
Für Brecht und viele anderen war er ein Vorbild, eine Inspiration.
Wer Loriot kennt, kann Valentin in Loriots Arbeiten erkennen.
Valentin sprudelte vor Ideen, umsetzbar oder nicht, das was erst einmal zweitrangig. Und er verstand das neue Medium Film für sich zu nutzen, hatte sogar kurz ein eigenes Filmstudio.
Das absurde fesselte ihn, die Abgründe des Menschen.
Wie Don Quichotte kämpfte der sein Leben lang, ums Überleben. Am Ende war er ausgehungert und vergessen.
Nachdem er eine Nacht im ungeheizten Münchner Theater „Bunter Würfel“ , versehentlich eingeschlossen verbringen musste, erkrankte er an Lungenentzündung und starb schon wenig später.

Heute wird dieser Ausnahmekünstler weltweit, auch in München gefeiert. Hätte er das doch erleben dürfen, er wäre bestimmt entspannt durch die Räume seines Museums gewandert.

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