Stellungnahme zur aktuellen Corona-Situation, Stand 12.3.2020

Stellungnahme zur aktuellen Corona-Situation, Stand 12.3.2020

Als Erzählerverband möchten wir Mitgliedern und Kolleg/innen einige Informationen und Handlungsoptionen an die Hand geben, um den aktuellen Entwicklungen durch das Virus „Corona“ nicht schutzlos gegenüber zu stehen.

Handlungsideen bei der Absage von Veranstaltungen wegen des Corona-Virus
aus: Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V.

Ungeachtet der Rechtslage haben die Veranstalter und Künstler/innen häufig eine jahrelang anhaltende Vertragsbeziehung. Deswegen empfiehlt es sich auch bei einer Absage der Veranstaltung, bei der vermutlich noch keine höhere Gewalt anzunehmen ist, eine gütliche Einigung zu erzielen. Nachfolgend skizzieren wir stichpunktartig einige Möglichkeiten:

  • Veranstaltung verschieben und für den Fall, dass auch die verschobene Veranstaltung nicht stattfindet bereits die Höhe des Ausfallhonorars regeln.
  • 50 % des Honorars fordern.
  • Bereits angefallene Aufwendungen sowie nur einen Teil der eigenen eingeplanten Kosten geltend machen.

Rechtliche Einschätzungen zur Absage von Veranstaltungen:
www.famab.de/aktuelles/corona-virus-covid-19 
https://www.kanzlei-laaser.com/ausfallgage-bei-absage-der-vorstellung/

Prof. Dr. Volker Römermann, Präsident der German Speakers Associationund Anwalt, Prof. Dr. Volker Römermann, gibt eine Einschätzung aus juristischer Sicht, die wir lesenswert finden.

Wer mag, kann folgende Petitionen unterzeichnen:

In den VEE-Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Luxemburg ist man in der Politik unterschiedlich weit. Wir haben versucht, einen Überblick zu geben, wo bereits ein Bewusstsein für die existenzbedrohende Situation bei freien Künstler/innen besteht:

Deutschland

Der Deutsche Kulturrat e.V. hat in seiner Pressemitteilung vom 11. März bereits konkret das Problem der freiberuflichen Künstler/innen benannt und einen Notfallfonds gefordert:

„Große Sorgen macht dem Deutschen Kulturrat die Situation freiberuflicher Künstlerinnen und Künstler und anderer Selbständiger aus dem Kultur- und Medienbereich. Mit der Absage von Aufführungen, Tagungen, Veranstaltungen usw. droht ein erheblicher Teil von deren Einnahmen wegzubrechen. Das kann sehr schnell existentielle Auswirkungen haben. (…) Wir fordern daher den Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz Staatsminister Bernd Sibler und Kulturstaatsministerin Monika Grütters MdB auf, schnell zu reagieren und einen Notfallfonds einzurichten. Ein solcher von Bund und Ländern zusammen getragener Notfallfonds sollte bei der Kulturstiftung der Länder und der Kulturstiftung des Bundes gemeinsam eingerichtet werden.“

Kulturstaatsministerin Grütters hat bereits zugesagt, sie werde sich „dafür einsetzen, dass die speziellen Belange des Kulturbetriebs und der Kreativen miteinbezogen werden, wenn es um Unterstützungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen“ gehe. Quelle
Sie wird am 11. März von der nmz – neue musikzeitung zitiert: „Mir ist bewusst, dass diese Situation eine große Belastung für die Kultur- und Kreativwirtschaft bedeutet und insbesondere kleinere Einrichtungen und freie Künstlerinnen und Künstler in erhebliche Bedrängnis bringen kann“ Quelle

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste setzt sich in der Allianz der Freien Künste, dem Zusammenschluß von 18 Verbänden der frei und professionell arbeitenden Künstler/innen, im politischen Raum dafür ein, dass eine Absicherung der wirtschaftlichen Risiken der Kreativen im Zusammenhang mit Coronavirus/COVID-19 in den Blick genommen wird. Gearbeitet wird aktuell an einer Umfrage zu den zu erwartenden Folgen der Pandemie für die freiberuflich und selbständig tätigen Akteur/innen im Kunst- und Kulturbereich. Quelle

Der VEE wird einen Brief an die Kulturstaatsministerin verfassen, um auf die Situation der Erzähler/innen hinzuweisen und sich dafür einsetzen, dass die Freischaffenden bei einem eventuellen Notfallfonds nicht übersehen werden.
Auch an den Kulturrat wird sich der VEE wenden und die Belange seiner Mitgliedervorbringen.

Österreich

Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek sagte auf die Anfrage des KURIER am 10. März: „Wir sind dabei zu klären, ob und wie die Auswirkungen auf die Kulturbranche abgefedert werden können.​​“ Die Absage der kommenden Wochen seien für „den österreichischen Kunst- und Kulturbetrieb eine große Herausforderung. Es ist eine außergewöhnliche und noch nie dagewesene Situation. Wir sind dabei die Folgen abzuschätzen“. Im gleichen Artikel wird SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda zitiert wie er ebenfalls am 10. März ein Hilfspaket für die Kultur fordert.

„Von SPÖ und NEOS, den Gewerkschaften und den Künstlerverbänden werden Forderungen nach einem Katastrophenfonds und einem diesbezüglichen politischen Krisengipfel erhoben. Hilfe, die etwa für den Tourismusbereich versprochen worden sei, müsse auch „auf unsere schwer betroffene Branche ausgedehnt bzw. adaptiert werden“, heißt es in einem Offenen Brief der Verbände der Film-, Musik- und Buchwirtschaft. Die österreichische Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne), aber auch die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) versprachen, sich für betroffene Künstler und Kultureinrichtungen einzusetzen.“ Quelle

An die Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek wird sich der VEE in einem Brief wenden um auf die Situation der Erzähler/innen hinzuweisen und sich auch in Österreich dafür einsetzen, dass die Freischaffenden bei einem eventuellen Rettungsschirm nicht übersehen werden.

Wirtschaftskammer-Fachverbände für Buch-, Film- und Musikwirtschaft haben sich gemeinsam mit Institutionen, Verbänden und Unternehmen einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Stadt Wien gewandt. Sie weisen „dringlich“ darauf hin, „dass die anberaumten Maßnahmen sowie insgesamt die Situation, die das Coronavirus ausgelöst hat, für viele Kulturinitiativen, Kreativunternehmerinnen und -unternehmer und Kunstschaffende ein existenzgefährdendes Ausmaß erreichen“, und fordern die Einrichtung eines Katastrophenfonds und Rettungsschirms für die Kultur.  Hier ein offener Brief zum Nachlesen.

Schweiz

Der Tagesanzeiger macht die vielgesichtigen Auswirkungen von abgesagten Veranstaltungen schon sehr früh in einem Artikel vom 5. März bildlich am Beispiel einer Lesung deutlich:
„Wird etwa eine Lesung abgesagt, gibts auch weniger Buchverkäufe. Kann eine Person nicht auftreten, leidet auch ihre Sichtbarkeit am Markt, was gerade für weniger bekannte Gesichter ein Problem ist. Dabei sei es aber völlig verkehrt, jetzt die Veranstalter gegen die Schauspieler, Autoren, Musiker auszuspielen oder umgekehrt. Beide Parteien seien wesentliche Träger des Schweizer Kulturlebens, und der Bund müsse auch ihnen gegenüber Verantwortungsbewusstsein zeigen. Der Berufsverband t. Theaterschaffende Schweiz unterstützt deshalb die Petition von Gewerkschafter Christophe Gremaud.“  Es geht darum, „dass der Bund einen Entschädigungsfonds für die betroffenen Showprofis auf und hinter der Bühne einrichtet.“ Quelle


Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat in Zusammenhang mit dem Coronavirus eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) eingesetzt. Die Arbeitsgruppe soll die durch das Virus verursachten wirtschaftlichen Konsequenzen verfolgen und Maßnahmen zur deren Linderung prüfen. Das SECO ist sich bewusst, dass die Kulturbranche von den Auswirkungen des Coronavirus besonders betroffen ist. Es hat deshalb das Bundesamt für Kultur (BAK) und die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia in die entsprechende Arbeitsgruppe berufen. Um die Anliegen und Interessen der Kulturbranche in der Arbeitsgruppe des SECO möglichst sachgerecht einbringen zu können, haben das BAK und Pro Helvetia ausgewählte Kulturverbände zu einer Anhörung am 12. März eingeladen. Quelle


Südtirol
Auf der Seite des Südtiroler Künstlerbund sind bis dato (12. März 15 Uhr) keine Informationen zu den Auswirkungen von Corona auf Kulturschaffende der Region veröffentlicht. Der Landesrat für Kultur Südtirol, Philipp Achammer, sagt: „Auch die Kulturbetriebe bekommen die derzeitigen Einschränkungen zu spüren. Doch auch diese wolle man nicht im Regen stehen lassen.“ Quelle


Luxemburg
Das Ministerium für Kultur der Luxemburger Regierung hat auf seiner Seite keine aktuellen Nachrichten zu Thema Corona veröffentlicht.

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